VVN-BdA

Seit 1970 bin ich hier in Duisburg Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, kurz VVN/BdA.

Seit Jahrzehnten organisieren wir Film- Vortrags- und Gedenkveranstaltungen bzw. werden als Referent*innen dazu eingeladen, arbeiten in verschiedenen Bündnissen mit, nehmen mit anderen an Demonstrationen teil. Für unsere Geschichtskommission wurden die beiden Bände „Tatort Duisburg 1933 – 1945“ herausgegeben. Die dazugehörige Ausstellung wurde inzwischen digitalisiert und ist als PowerPoint Präsentation unter www.tatort-duisburg-1933-1945.de abrufbar.

Gegründet wurde die Organisation in Nordrhein Westfalen 1946 als VVN von überlebenden Widerstandskämpfer*innen und Verfolgten aller politischen Richtungen.

Heute ist die VVN/BdA eine partei- und spektrenübergreifende Organisation, in der es unterschiedliche Zugänge zum Antifaschismus gibt. Dies drückt die gemeinsame Überzeugung aus, dass es nach den historischen Erfahrungen nie wieder Faschismus geben darf und alle, die aus diesen Erfahrungen gelernt haben, gemeinsam daran arbeiten müssen.

Unser Logo ist das rote Dreieck, das die politischen Häftlinge auf ihrer blauweiß gestreiften Häftlingskleidung tragen mussten.

Einer der Mitbegründer der VVN in NRW im Jahr 1946 war mein Großvater, Toni Melchers, Widerstandskämpfer, Häftling im Zuchthaus Brauweiler, im KZ-Börgermoor, im KZ-Sachsenhausen, Todesmarsch an die Ostsee…auch die anderen Mitglieder meiner Familie, meine Großmutter, Mutter, Tanten waren während der Nazizeit mehrere Monate oder auch Jahre inhaftiert…Vielleicht kann man ahnen, wie empört ich bin, wenn ich die z.T. gleichen Parolen höre, den gleichen Hass gegenüber Andersdenkende und scheinbar anders Seiende verspüre, den schon meine Familie erleben musste. Motivation genug, um mich entschieden gegen alle Erscheinungsformen des Neofaschismus einzusetzen!

Darum arbeite ich auch in der Gruppe „Kinder des Widerstandes “ mit, an der sich viele Nachkommen von Verfolgten des Naziregimes beteiligen. Allen ist es ein Anliegen, als Töchter, Söhne und Enkel an Widerstand und Verfolgung unserer Mütter, Väter, Großeltern während der Nazizeit zu erinnern. Auch Freundinnen und Freunde helfen dabei. Unsere Eltern und Großeltern erlitten Folter und Terror, manche den Tod, in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern oder flohen aus Deutschland. Die Überlebenden und aus der Emigration zurückgekehrten machten sich zur Aufgabe alles zu tun, damit sich Ähnliches nicht wiederholt. Viele von ihnen wurden zu gefragten Zeitzeugen, besonders an Schulen. Anschaulich erzählten sie, wie sie Widerstand gegen das Naziregime leisteten, welche Gefahren sie auf sich nehmen mussten und was das für ihre Familien bedeutete. Sie machten den jungen Menschen Mut, sich rechtzeitig einzumischen, sich gegen rassistische, antisemitische, fremdenfeindliche, nationalistische und menschenverachtende Gedanken und Taten zu positionieren.

Peter Gingold, der nach Frankreich emigrierte und dort in der Résistance arbeitete, schreibt: „Vergesst nicht unsere bitterste Erfahrung! Die Faschisten sind nicht an die Macht gekommen, weil sie stärker waren, als ihre Gegner, sondern weil wir uns nicht rechtzeitig zusammengefunden haben…..
1933 wäre verhindert worden, wenn alle Hitlergegner die Einheitsfront geschaffen hätten. Dass sie nicht zustande kam, dafür gab es…. nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern.“

(Peter Gingold: „Paris Boulevard St. Martin No.11“ erschienenen 2009, Hrsg.: U. Schneider, Papyrossa Verlag, S. 32)

Sie erreichen uns unter der Mailadresse: info@kinder -des-widerstandes.de

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